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Der Gregorianische Choral, der den vokalen Teil dieser Aufnahme bildet, ist der älteste, aber bis heute
lebendige liturgische Gesang der katholischen Kirche. Die ersten Gesänge sind in den Gemeinden der ersten
Christen entstanden und waren von den jüdischen und griechischen Melodien beeinflusst. Während des
Pontifikats Gregors des Großen (590 - 604) wurden die christlichen Gesänge gesammelt und geordnet. Papst
Gregor gründete in Rom die Schola cantorum, wo die einstimmigen liturgischen Gesänge unterrichtet und
gepflegt wurden. Später wurden sie nach dem Papst Gregor "Gregorianischer Choral" genannt. Aber auch
später sind Gesänge zu neuen Festen entstanden und in der Zeit der Christianisierung der westlichen und
nördlichen Länder Europas wurden neue Formen entwickelt - Sequenz und Tropus, wo den reichen melismatischen
Melodien (meistens in den Worten Alleluja und Kyrie eleison) neue Texte unterlegt wurden, die das Original
kommentieren. Ein Tropus erklingt in dem Kyrie Lux et origo. In der Aufführung wechselt sich der Gesang mit
der Orgel ab. Diese Art der sog. Alternatim-Praxis war in der Kirche bis zum 17. Jh. beliebt.
Der Autor der Orgelbearbeitung Hans Buchner (1483 - 1538) war Organist in Konstanz und Schüler des berühmten Paul Hofhaimer. Der Gregorianische Choral hatte eine große Bedeutung auch für die Entwicklung der Mehrstimmigkeit. Er bildete die Grundlage der musikalischen Werke bis zum Beginn der Renaissance. Die einfache Mehrstimmigkeit erreichte ihren ersten Höhepunkt in der Notre-Dame-Schule in Paris. Zwei große Meister, Leoninus und Perotinus, haben eine Sammlung hinterlassen, die "Magnus liber organi" genannt wurde. Es ist jedoch keine Sammlung der Orgelwerke, wie man heute den Titel verstehen könnte. Es handelt sich um Vokalwerke, die in der alten Form der Mehrstimmigkeit Organum komponiert sind. Organum Haec dies (Gesang des Ostersonntages) von Leoninus (er wirkte in Paris in den Jahren 1160 - 1180) ist zweistimmig und die Melodie des Chorals ist für den heutigen Zuhörer schwer zu verfolgen. Die Notre-Dame-Schule hat schon mit der Aufführung bestimmter Teile auf der Orgel gerechnet, es handelte sich aber noch um keine richtige Orgelmusik. Erst später haben die Komponisten vokale Werke für die Orgel bearbeitet. Manchmal war es nötig, eine Mittelstimme wegzulassen, oder die Oberstimme mit melodischen Tönen zu bereichern. Solche Bearbeitungen finden wir im Buxheimer Orgelbuch, einem der ältesten Denkmäler der Orgelliteratur. Es entstand in den Jahren 1450 - 1470 und die meisten Stücke sind anonym. Ein sehr interessantes Musikdenkmal ist die ‚Missa Tournai', eine der ältesten Vertonungen des Ordinariums. Die Messe ist dreistimmig und einige Teile sind auch hier für die instrumentale Aufführung gedacht. Sie wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts komponiert, der Name des Komponisten ist nicht bekannt. Zwei Teile der Messe; Sanctus und Benedictus, erklingen in der Orgelfassung. Die Orgel ist eines der ältesten Musikinstrumente, das sich im Laufe der Jahrhunderte zu einem großen und vollkommenen Instrument entwickelt hat. In dem 13. und 14. Jh. hatte sie aber einen wesentlich kleineren Umfang, der den menschlichen Stimmen entsprach. Die Erfindung des Pedals im 13. Jh. und eine Vervollkommnung der Klaviatur haben die klanglichen und technischen Möglichkeiten wesentlich bereichert und Bearbeitungen von Vokalwerken ermöglicht. Sanctus und Benedictus aus der ‚Missa Tournai' wurden auf der Orgel der Stiftskirche in Teplá aufgenommen. Die Orgel wurde in den Jahren 1754 - 1756 von Anton Gartner aus Tachov gebaut. Er war Gründer einer Familienwerkstatt und gehört zu den bedeutendsten Orgelbauern des Spätbarocks. Jitka Chaloupková studierte am Prager Konservatorium und an der Musikhochschule in Prag das Hauptfach Orgel. Zwei Jahre lang hat sie auch in Weimar bei Prof. J.E. Köhler studiert. Sie unterrichtet am Konservatorium in Èeské Budìjovice Orgel und Improvisation. Sie gibt Konzerte in der Tschechischen Republik sowie im Ausland.
Musikausschnitt Konzerte 2012
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Text: Jitka Chaloupková |
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